Malta im 2. Weltkrieg
Als Italien am 11. Juni 1940 in den Zweiten Weltkrieg eintrat und die ersten Bomben auf die britischen Docks und Landepisten fielen, traf dieser Angriff Malta völlig unvorbereitet. Ähnlich der erster Belagerung 1565— die Kriegsjahre sollten später unter dem Begriff der Zweiten Belagerung in die maltesische Geschichte eingehen — hatte es in der Vorkriegszeit zwar heftige Diskussionen in der britischen Militärbürokratie gegeben, wie 400 Jahre zuvor hielt man den Archipel jedoch nicht für verteidigungsfähig. Zwar kontrollierte die Insel die lebenswichtige Verbindungsroute zwischen Gibraltar und Alexandria, war eine Schlüsselposition zur Sicherung des Suez-Kanals, des Tors nach Indien, doch andererseits schien es unmöglich, den Stützpunkt gegen Luftangriffe aus dem nur eine halbe Flugstunde entfernt gelegenen Sizilien zu schützen.
Als das erste Bombergeschwader in Sichtweite kam, besaßen die Verteidiger lediglich einige Luftabwehrgeschütze und nur drei einsatzfähige ‘Abwehrjäger< des Typs Sea Gladiator. Dennoch gelang es den Piloten der Kampfflugzeuge, die bald auf die Spitznamen Faith, Hope und Gharity getauft wurden, die Bomber in größere Höhen zu zwingen, wodurch sich die Trefferquote erheblich verminderte. Die kleinen, wendigen Flieger waren pausenlos im Einsatz, so dass die italienische Aufklärung die Stärke der Luftabwehr auf 25 Flugzeuge schätzte.
Obwohl die Briten dann zusätzliche Bomber auf Malta stationierten, rechneten alle mit der baldigen Invasion und Eroberung der Insel. Schon frühzeitig begann man daher, die Sterling-Währung gegen Phantasie-Banknoten auszutauschen, die auf den internationalen Devisenmärkten wertlos waren. Man wollte schließlich nicht den gesamten Geldumlauf in die Hände der Deutschen fallen lassen. Tatsächlich nahmen die Angriffe bedrohlich zu, als deutsche Fliegerin Sizilien stationiert wurden. Allein bis Juni1941 waren schon 2500 Gebäude zerstört, zumeist im Grand Harbour. Nur kurze Entlastung brachte der Herbst 1941, als die Alliierten nach Abzug der Deutschen die Lufthoheit zurückgewannen. Denn als der Sieg Rommels bei EI Agheila im Januar 1942 zum Verlust des britischen Luftstützpunktes in der libyschen Cyrenaica führte, verstärkten sich die Luftangriffe auf die strategisch so wichtige Insel erneut. Die gesamte Bevölkerung musste evakuiert oder in Luftschutzbunker umquartiert werden, die in den ersten Kriegsmonaten eiligst in die Felsenküsten des Hafengebiets getrieben wurden.
Die Schlacht um Nordafrika war ein Kampt um die Nachsohublinien. Ebenso wie die Alliierten griffen die Achsenmächte jedes Versnrgungsschiff aut dem Mittelmeer an. 1942 wurde ein katastrophales Jahr, denn jetzt gerieten aufgrund der erfolgreichen Offensive Rommels in Nordatrikavor allem die Transportschitte nach Malta unter Beschuss. Immer häufiger kam es nun vor, dass die Konvois vollständig versenkt oder zum Rückzug gezwungen wurden. Die NachsohubprObleme führten 1942 zu einer entsetzlichen Mangelsituation. Vor allem Lebensmittel und Brennstoff wurden so knapp, dass streng rationierte Mahlzeiten in eigens dafür eingerichteten ‘Victory kitchens ausgegeben wurden. In dieser Zeit verschwanden die großen Ziegenberden, die jahrhundertelang charakteristisch für die Insel waren. Ziegen-Stew avancierte zum Standardgericht der öffentlichen Küchen. Erst nach sechs Monaten Blockade kam im August 1942 das erste Versorgungsschiff nach Malta durch. Der ‘Santa Marija Convoy‘ hatte zwar schwerste Verluste zu beklagen, brachte der Inselgruppe, die in verzweifelter Lage kurz vor der Kapitulation stand, aber die Rettung.
Der britische Sieg bei El Alamein (Ägypten) löste dann die Blockade. Vor der Landung alliierter Truppen aut Sizilien beherbergte Malta das Einsatzkommando; in aller Eile wurde aut Gozo eine weitere Start- und Landepiste erbaut. Mit der Eroberung Siziliens war Maltas Rolle in den Kämpfen beendet. 35ü00 Häuser waren zerstört, bis auf einige deutsche Städte gab es nirgendwo eine höhere Zahl an Ausgebombten. Schon im April 1942 hatte die maltesische Bevölkerung das ‘George Cross‘ als Tapferkeitsauszeichnung erhalten. Nach dem Krieg zahlte London 30 Mb. Pfund als Entschädigung für die Kriegsschäden, doch dauerte es noch bis weit in die 1 950er Jahre, bis die Zerstörungen halbwegs behoben waren.
(c) 2004 by Maria Thuli